Ist Online-Reputation steuerbar?

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Selbstpräsentation als verkanntes Gründerthema

Bereits in der Bezeichnung „Online-Reputation“ steckt etwas Bedrohliches. Kaum ein anderes Thema wird aktuell so heiß diskutiert wie das eigene Image im Web und die Möglichkeit, an diesem zu feilen. Für unser Ansehen in der realen Welt spielt das Tun und Handeln im Web eine immer größer werdende Rolle. Gründer sind für potenzielle Investoren nur dann Siegertypen, wenn auch die Online-Reputation stimmt. Ist es aber überhaupt möglich, ein gesamtes Leben in der Webwelt zu steuern?

Alles muss zusammenpassen

Das Internet ist nicht nur für seine Powernutzer Ausdruck von Weltoffenheit, Individualismus und einem neuen weltweiten partizipatorischen Demokratieverständnis. Wer etwas auf sich hält und modern sein will, macht mit und offenbart regelmäßig – mal auf den Punkt gebracht, mal missverständlich – seine Meinung in Online-Netzwerken oder lässt in Communitys seine Fotos und Videos von anderen bewerten und kommentieren. Neue Dienste wie Twitter erlauben uns, von jedem

Ort aus Dinge online zu publizieren, wann immer wir möchten. Diese Inhalte sollen von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Aber wir möchten nicht darüber nachdenken, wie andere unsere Aktivitäten auffassen und welche Auswirkungen dies hat. Was stört dann eine erfolgreiche Gründerbiografie: Zu viel Banalität, prahlende Tiefgründigkeit in den eigenen Aussagen oder die Anzahl der negativen Kritiken? Es gibt kein Geheimrezept, nur die alte Leier von der Authentizität. Alles muss eben zusammenpassen: Das virtuelle Leben mit den Taten in der geschäftlichen und privaten Welt. In privat und geschäftlich lässt sich das virtuelle Leben meist nicht trennen.

In fünf Schritten zum guten Ruf

Online-Reputation kann steuerbar sein, vorausgesetzt insbesondere potenzielle Gründer sind schon als Teenager vorausschauend und achten auf ihren guten Ruf. Mit Antworten auf die folgenden Fragen bekommt man in fünf Schritten die Online-Reputation in den Griff:

1. Status quo der Online-Darstellung

Welche Einträge existieren über mich? Ist die Konnotation negativ oder positiv? Gibt es Namensvettern? Wie alt sind die ältesten Beiträge zu meiner Person?

2. Chancen und Risiken für den guten Ruf

Wie nimmt meine Zielgruppe meine Online-Darstellung wahr? Welche Einträge sind möglicherweise zu privat, negativ oder veraltet? Müssen einige unbedingt aus dem Netz entfernt werden?

3. Strategie für die Webwelt

Was möchte ich an meinem Image genau verbessern? Von welcher Seite will ich mich meinen potenziellen Kunden und Investoren präsentieren? Welches Netzwerk passt zu mir, welches nicht? Ist mein berufliches Interesse sowie Angebot klar ersichtlich? Stehen meine fachlichen und persönlichen Kompetenzen in einem positiven Licht?

4. Monitoring des Online-Ichs

Hält meine Reputation bei regelmäßiger Prüfung durch Suchabfragen meinen Ansprüchen stand? Gerät eine Diskussion aus dem Ruder und muss ich eingreifen?

5. Imageschärfe mit Kontinuität

Pflege ich meine Online-Reputation regelmäßig? Achte ich darauf, dass jede einzelne Aktivität mein Online-Image schärft?

Fazit:

Für manchen Gründer kann es sinnvoll sein, mit Hilfe eines sogenannten „Reputation Defenders“ einen Eintrag aus dem Internet zu löschen. Dieser Dienstleister kann zwar  versuchen negative Quellen im Internet entfernen zu lassen, aber nicht alle dazugehörigen Querverweise. Wer im Internet unterwegs ist, muss mit den Spuren leben, die er hinterlässt. Das kann aber auch positiv sein, wenn man sie kennt und zu seinem Vorteil nutzt. Denn Gründerpersönlichkeiten mit Ecken und Kanten sind bekanntlich attraktiv.

Dieser Artikel ist in der aktuellen Ausgabe des Venture Capital Magazins veröffentlicht. Die Sonderausgabe Start-up 2010 ist voll mit spannenden Beiträgen u.a. auch über yasni.de

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