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„Auf Privates sollte man weitgehend verzichten“ … Wie und warum denn?

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Als ich gestern den PC runterfahren wollte, kam noch dieser Link auf den Bildschirm. Da es sich ja eigentlich fast immer lohnt Beiträge von Klaus Eck zu lesen, habe ich das Interview schnell überflogen. Der Titel hielt mich dann noch eine Weile wach und ich überlegte, wie denn eine solche Trennung zwischen Privat und Arbeit in Einklang mit meinen täglichen Aktivitäten funktionieren könne. Das Ergebnis meiner Überlegungen: gar nicht !

Das Internet ist doch bereits heute für viele von uns auch Teil unseres privaten Lebens. Die Übergange zwischen Familienaktivitäten und Businessmeetings sind dank Twitter und Co. nicht nur fließend, sondern schon gar nicht mehr richtig vorhanden. Würden wir ab morgen wieder zu einer strikten Trennung zwischen dem was online über uns auftauchen darf und was nicht übergehen, laufen wir Gefahr uns wieder in die Anfänge des Internets zurückzubewegen.

Ich finde es ist an der Zeit, das Internet als Teil unseres Leben zu akzeptieren und zu integrieren. Es braucht keine weiteren Regeln für mein „Benehmen“ im Internet. So wie ich bin wenn ich mal keine Tastatur zwischen den Fingern habe, so möchte ich auch sein und gesehen werden wenn ich auf die Monitore schaue und Inhalte von mir auf der ganzen Welt verbreite.

Wer braucht schon eine gute „Online-Reputation“, wenn sein Offline-Ruf bereits runiert ist. Wer mit Vorsatz daran arbeitet, dass er online als Saubermann gesehen wird, tut dies vielleicht nur, weil er in der realen Welt seinen Ruf bereits verspielt hat.

Ich kann dieses langweilige Beispiel mit den Partybildern die meinem aktueller oder künftiger Arbeitgeber im Netz findet nicht mehr hören. Nennt mir doch bitte nur einen Fall, bei dem ein Top-Mitarbeiter einen Job nicht bekommen hat, weil im Vorfeld irgendjemand lustige Partybildchen aus dem Studentenwohnheim gefunden hat auf denen der Kandidat ein T-Shirt mit der Aufschrift „Mein Arbeitgeber ist doof“ trägt.

… puh nun geht es mir besser!

P.S. Noch ein Hinweis. Ich war sicher der Erste in Deutschland, der Online-Reputation hier zum Thema machen wollte. Bereits Mitte 2006 wollte ich Deutschland für das Thema sensibilisieren. Heute, drei Jahre später, lasse ich andere den Pfad der Sinnlosigkeit begehen und weiß das die Zeiten sich geändert haben.

3 Gedanken zu „„Auf Privates sollte man weitgehend verzichten“ … Wie und warum denn?

  1. Die Partybilder kamen diesmal aber nur in einem absoluten Neben-Nebensatz vor und werden immer von Journalisten bemüht, was in Ordnung ist, weil es die Ängste anspricht. Meine Standard-Antwort dafür ist: Fotos spielen gar keine so große Rolle. Im Vergleich dazu sind die Texte/Kommentare, die jemand im Web hinterlässt wichtiger. Natürlich sollte jeder mit seiner ganzen Persönlichkeit ins Netz gehen. Aber es ist dann eben nicht mehr privat, sondern ganz eindeutig öffentlich und sollte daher auch bewusst akzeptiert werden Mit Naivität kommt man nicht weit im Internet.

    Offline und Online-Reputation lassen sich kaum voneinander trennen. Alles wirkt sich auf die digitale Reputation aus und wird somit sichtbarer. Aber die Online-Transparenz ist neu. Und bringt eine andere Qualität in Sachen Reputation zu tragen. Wir können lange Zeit nachvollziehen, was jemand in welchem Kontext gesagt oder gemacht hat. Arbeitgeber interessieren sich für den ganzen Menschen. Das sollte man einfach wissen. Darauf muss man nicht ängstlich reagieren und sich wegducken, aber es zumindest bei seinen Online-Aktivitäten berücksichtigen, sonst wunder man sich nur, wenn man in einem Vorstellungs- oder Akquisationsgespräch auf seine Facebook- oder Twitter-Einträge angesprochen wird.

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